„Censorship Is So 1984 — Read for Your Rights.“
Seit 1982 gibt es die Banned Books Week, mit der die US-amerikanische Buchbranche auf das Entfernen von Büchern mit umstrittenen Inhalten aus öffentlichen Bibliotheken, Schulbibliotheken und Lehrplänen aufmerksam macht. Wer stellt diese Forderungen? Die American Library Association (ALA) hat für 2024 folgende Zahlen ermittelt: 72 % dieser Anträge kommen durch organisierte Kampagnen christlich-fundamentaler, politisch rechts stehender Kreise, wie z.B. die Heritage Foundation. Seit 2019 hat die Zahl der in Schulbibliotheken verbotenen Bücher stetig zugenommen. Der Autorenverband PEN America spricht von 10.046 Verbotsfällen in 29 Bundesstaaten und 220 öffentlichen Schulbezirken im Schuljahr 2023/24, wobei Florida und Iowa die meisten Verbote aussprechen. Insgesamt waren 4231 Titel betroffen, so viele wie noch nie.
2025 gibt es eine neue Eskalationsstufe: der amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth hat die Schulen des Pentagon angewiesen, bestimmte Titel aus den Bibliotheken zu entfernen. Davon betroffen sind weltweit 161 Schulen, in Deutschland sind es 30. Vier dieser Schulen mit insgesamt über 3.000 Schüler*innen befinden sich in Stuttgart und Böblingen.
Mit welchen Argumenten wird die Entfernung gefordert? Welche Themen werden als anstößig empfunden? Die Begründungen prangern die Darstellung von Sexualität oder Gewalt sowie vulgäre Sprache an, sie beklagen Themen wie Drogensucht oder Tod und Suizid. Bei Fantasyromanen wird mit einer angeblichen Förderung okkulter Praktiken argumentiert.
Die am häufigsten verbotenen Bücher erzählen Geschichten über People of Colour oder queeren Personen, sie handeln von Frauen, von Rassismus, Sexualität, thematisieren Geschlechterrollen und beschäftigen sich mit der Geschichte der USA. Bücher von Frauen, queeren Personen und People of Colour sind überproportional betroffen.
Unser Schaufenster zeigt eine kleine Auswahl der betroffenen Bücher, die komplette Liste finden Sie auf der Seite des PEN. Über viele Verbote wundert man sich leider nicht mehr, manche Titel kommen aber doch überraschend. Alle aber sind lesenswert – jetzt erst recht!
Ihre Brigitte Jetschina
Mit Klick aufs Cover direkt zum Buch in unserem Onlineshop.
Quellen:
https://pen.org/book-bans/
https://www.ala.org/bbooks/banned
https://bannedbooksweek.org/banned-books-week-2025-theme-unveiled/
https://www.buchhaus.ch/de/buecher/verbannte-buecher-USA?srsltid=AfmBOoo-0V_PVR7-pSBRA0ktVOixi3ME5pFKggfE73GNHgCgLrD3eCLm#r751472-0-0
https://eichendorff21.de/dossier/banned-books
Stuttgarter Zeitung vom 11.02.2025, Seite 3
























