Triggerwarnung: sexualisierte Gewalt
Dublin, Anfang der Nullerjahre. Die Studentin Hannah ergattert einen der begehrten Jobs im Service des angesagten Sternerestaurants von Starkoch Daniel Costello. Jeden Abend Hektik, Stress, die Stimmung ist aufgeladen, wie elektrifizierend. Es gibt tolle Trinkgelder und Trinkgelage mit den Kolleg:innen nach Feierabend.
Und da sind noch die sexuellen Anzüglichkeiten und Übergriffe, die sie sich gefallen lassen muss; das wird achselzuckend hingenommen, als sie jedoch von Daniel vergewaltigt wird, schmeißt sie den Job hin und versucht 10 Jahre lang zu verdrängen was ihr Wiederfahren ist.
Jetzt steht Daniel vor Gericht, angeklagt von einer anderen Kellnerin, die auf Hannahs Unterstützung hofft, aber Hannah zögert, hat Angst das Verdrängte wieder ans Tageslicht zu holen. Erzählt wird der Roman aus drei verschiedenen Perspektiven; Hannahs, Daniels und Daniels Ehefrau Julie. Daniel ist ganz drin in seiner Rolle als „Alter weißer Mann“, für Ihn sind die Anschuldigungen nur Teil einer Rufmordkampagne, die darauf abzielt ihn wirtschaftlich zu ruinieren, ja er sieht sich selbst als das Opfer.
Interessant ist die Perspektive von Julie, die ihren Mann von einer anderen Seite kennt; der loyale Ehemann und Vater; sie ist hin-und hergerissen zwischen ihren Gefühlen und Zweifeln.
Temporeich wird die Geschichte vorangetrieben; meine Wut auf diesen unglaublich arroganten Mann, der überhaupt nicht einsehen will, was er falsch gemacht hat, wuchs von Seite zu Seite. Ein unglaublich eindringlicher „Me Too“ Roman. Ich habe sehr darauf gehofft, dass der Überlebenden vor Gericht geglaubt wird; die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.


