Was für ein grandioser Lesesommer liegt hinter mir. Ich habe so viele tolle Bücher gelesen, daß ich Sie ein bisschen mitnehmen möchte in meine schönsten Leseelerbnisse:
Den Anfang macht eine tragisch-schöne Familiengeschichte, die sowohl in Schottland, als auch in Indien spielt:
Sieben lange Jahre ist es hier, seit Anne Ihren Sohn Torran das letzte Mal gesehen hat, als er die schottische Hebrideninsel, seine Heimat verliess, nach Indien reiste und dort spurlos verschwand. Anne kann das nicht akzeptieren und macht sich jedes Jahr aufs Neue auf die Suche, ihr Mann Rob hat längst aufgegeben und sich damit abgefunden, dass Torran wahrscheinlich tot ist. Da ergibt sich eine neue Spur, angestossen von Annes Nichte Esther, zu der Anne nicht das allerbeste Verhältnis hat. Gemeinsam reisen sie nach Indien in die entlegenen, fast unberührten Täler des Himalayas. Es ist wie eine Art Katz und Maus Spiel und Torran scheint ihnen immer einen Schritt voraus, es scheint tatsächlich so, dass er nicht gefunden werden möchte; eine schmerzliche Erkenntnis für Anne, die auf dieser Reise zu Erkenntnissen gelangt, nach denen sie gar nicht gesucht hatte.
Eine schmerzlich schöne Geschichte über das wunderbare und furchtbare Dasein als Mutter, über Verlust und Neuentdeckungen, über Vergebung und Akzeptanz. Ein sehr emotionaler Roman und nicht zuletzt ein grandioser Reisebericht über das geheimnissvolle und exotische Indien, mit all seinen schönen und düsteren Seiten.
Wir bleiben in Schottland, aber ca. ein Jahrhundert früher:
Es ist das Jahr 1900, an der schottischen Insel Skerry wird der Körper eines Jungen angespült, mehr tot als lebendig, der auf erschreckende Weise dem Jungen ähnelt, den die Lehrerin Dorothy vor 20 Jahren an das Meer verlor und der nie wieder auftauchte. Ausgerechnet Joseph bringt den geretteten Jungen ins Dorf, der Mann, der auch damals eine entscheidene Rolle spielte und der Dorothy verzweifelt liebt, obwohl aus den beiden nie ein Paar wurde. Dorothy erklärt sich bereit den Jungen zu pflegen, bis seine Herkunft geklärt werden kann, das reißt alte Wunden wieder auf, bringt aber auch Heilung.
Ein wunderbares Buch über große Gefühle, Missverständnisse und besondere Menschen mit großer Herzenswärme, die Kraft der Worte, die zu Verständnis und Vergebung führen können und die Erkenntnis, das es für einen Neuanfang nie zu spät ist.
Tief in den Wäldern Kanadas lebt die Wildhüterin mit ihrer Hündin Coyote. Sie liebt die Einsamkeit und Unabhängigkeit in ihrem abgeschieden Domizil mitten in den Wäldern. Sie versucht ihren Job gut zu machen und die Wildnis und die Tiere nach besten Kräften zu schützen, aber sie verzweifelt fast daran mit nur zwei Kolleg:innen ein riesiges Gebiet gegen die Gier skrupelloser Menschen zu verteidigen. Als eines Nachts ihre Hündin in den Schlingen eines Wilderes fast zu Tode kommt, eskaliert die Situation. Getrieben von ihrer Wut fordert sie den Wilderer heraus und lässt ihn buchstäblich in seine eigene Falle tappen.
Eine wilde und raue Erzählung vom Überlebenskampf in der unbarmherzigen Natur und von Menschen die des Menschen Wolf sind und das grausamste Raubtier von allen.
Weiter gehts mit einem großartigen Debut:
Hanna und Tanner sind schon länger ein Paar, als sie beschließen den gemeinsamen Kinderwunsch anzugehen, doch nach zwei Jahren ist Hanna noch immer nicht schwanger, weshalb sie sich Hilfe in einer Kinderwunschklinik suchen. Anfangs noch optimistisch, wird die ganze Behandlung für Hanna zur Tortur. Immer wieder die Hoffnung, die am Ende doch wieder nur zerstört wird, das unemphatische Personal der Kinderwunschpraxis und viele andere Dinge zermürben Hanna und am Ende auch die Beziehung. Hilfreich ist auch nicht, dass es bei anderen scheinbar so mühelos klappt und schließlich setzt ihr Mann dem allem noch die Krone auf, als er sie für eine andere Frau verlässt.
Dieser Roman, dieses Thema haben mich emotional so sehr abgeholt. Ich glaube, mir war gar nicht klar, wie schlimm es sein muss mit einem unerfüllten Kinderwusch zu leben und damit klar zu kommen und wie viel Last bei alldem vor allem die Frau dabei zu tragen bereit ist. Die Autorin schafft es diese Emotionen so glaubwürdig zu transportieren, dass ich am Ende eine so große Wut auf Tanner hatte, obwohl es sich ja nur um eine erfundene Romanfigur handelt. „Für alle, die wissen, wie es sich anfühlt und für alle anderen, um es zu verstehen.“
Und zum guten Schluss habe ich noch einen tollen Krimi gelesen von einer Altmeisterin des Genres:
Der Auftakt einer neuen Reihe angesiedelt in der fiktiven Kleinstadt North Falls. Der Ort wird beherrscht von der Familie Cliffton, die viele wichtige Positionen einnimmt, man kennt einander, zumindest glauben die Einwohner dies, bis das Verschwinden zweier Teenager Mädchen das Gefüge zum Wanken bringt. Die Ermittlerin Deputy Emmy Clifton arbeitet mit Hochdruck an dem Fall, ein Schuldiger verschwindet im Gefängnis, doch scheinbar wurde der Falsche verhaftet…
Grandioser Spannungsroman um Schuld, private Tragödien, während du niemandem trauen kannst und dunkle Geheimnisse aufgedeckt werden.
Ich fand richtig spannend, dass der Krimi neben dem eigentlichen Kriminallfall eine interessante private Ebene der Protagonisten hat und die Autorin es schafft immer wieder Details zu enthüllen, die mich wirklich verblüfft haben. Definitiv nichts für schwache Nerven, aber der Twist am Ende hat es nochmal in sich. Ich freue mich schon auf mitreißende Fortsetzungen.
Das war ein kleiner Auszug aus meiner Sommerlesechallenge, insgesamt wieder mal großartige Leseerlebnisse, die ich nicht missen möchte.
Bald kommt der Herbst und bringt wieder eine Fülle neuer Bücher hervor, die alle gelesen werden wollen.
Vielleicht haben sie ja Lust am 8.11. an unserem Adventspusch dabei zu sein, wenn wir in unserer wunderschönen stimmungsvollen Buchhandlung unsere aktuellen Lieblingsbücher vorstellen. Wir freuen uns auf Sie und noch gibt es Karten für das schöne Event.
In diesem Sinne…
Ihre Cornelia Schaller





