Lada hat ihren Ehemann getötet, damit beginnt der Roman von Marina Vujčić „Sicheres Haus“, brillant aus dem Kroatischen übersetzt von Mascha Dabić. An dieser Tatsache gibt es keine Zweifel, es drängt sich allerdings die Frage auf: Was ist vorher passiert ?
Darüber berichtet Lada aus dem Frauengefängnis dem Ort, der absurderweise das „sichere Haus“ darstellt. Dort gibt es zwar auch Kontrolle, aber keine Willkür und toxische Gewalt, wie sie Lada jahrelang durch ihren Mann erfahren hat.
Alles beginnt ganz harmlos, schnell verliebt sich die junge Frau in den 10 Jahre älteren Universitätsprofessor, der sie anfangs auf Händen trägt. Das ändert sich rasch, als sie in seine Wohnung einzieht. Der Märchenprinz entpuppt sich bald als gewalttätiger , manipulativer Narzisst, der es schafft Lada immer mehr von der Außenwelt zu entfremden; unter seinem Druck bricht sie den Kontakt zu Familie und Freunden ab und ist ihm und seinen Übergriffen hilflos ausgeliefert, ja sie schämt sich sogar dafür, dass es immer wieder „soweit kommt“.
Als sich schließlich so verzweifelt ist, dass sie doch ihre Eltern um Hilfe bittet, verweigern diese ihr die Bitte; ihre Freundin Magda nimmt sie auf, aber da ist sie schon schwanger und sie kehrt doch zu ihrem Mann zurück.
Mit der Tochter wird sie endgültig erpressbar, juristisch , finanziell und emotional, bis die Situation vollends eskaliert und sie ihren Mann in Notwehr ersticht. Damit wird sie zwar zur Täterin, aber erneut zum Opfer von Justiz und Presse.
„Sie hätte den Status des Opfers nur bekommen, wenn sie tot gewesen wäre.“ Der Roman kehrt damit gewohnte Perspektiven um. Er erzählt von einem verhinderten Femizid. Hätte Lada sich nicht gewehrt, wäre sie womöglich eine weitere getötete Ehefrau gewesen, eine Schlagzeile in der „schwarzen Chronik“.
Dieser Roman hat mich so wütend und so traurig gemacht, denn diese Geschichte ist zwar „fiktiv“ , passiert jedoch in Wirklichkeit so jeden Tag, jedoch endet es fast immer mit dem Tod der Frau durch ihren Partner.
Vielleicht drängt sich auch der Gedanke auf, „wie kann man es nur soweit kommen lassen?“ Oder „mir kann das nicht passieren“, aber der Roman zeigt sehr eindrücklich wie geschickt und subtil Täter vorgehen, wie sie ihre Opfer gleichsam einer Gehirnwäsche unterziehen.
Darum liebe Frauen, Schwestern , Töchter und Freundinnen: kommt euch ein Mann nicht geheuer vor: Rennt!!!!
Der Roman ist in Kroatien ein großer Erfolg. Dort löste das Buch zahlreiche Debatten über häusliche Gewalt und den notwendigen Schutz von Betroffenen aus.

