Was ein fulminanter Ritt! Himmel. „Nightb!tch“ von Rachel Yoder war ein solches Faszinosum für mich. Und dabei dachte ich beim Anblick des Covers erstmal „Hä?“… Zum Glück hat meine Kollegin in der Buchhandlung darauf bestanden, dass ich es lese 🧡
Eine erfolgreiche, top ausgebildete Galeristin wird Mutter und muss bald feststellen, dass sie ihr Sohn und die Fesseln der neuen Rolle vor ein fast unlösbares Dilemma stellt. Denn während der Gatte weiterhin seinem Beruf und all seinen Geschäftsreisen nachgeht, versinkt die Protagonistin in Überforderung und großer Sehnsucht nach ihrem alten Leben. „War es denn ihre Schuld, dass sie dem gesellschaftlich weit verbreiteten Mythos von der jungen Frau, die sich durch eine erstklassige Ausbildung von den historischen Einschränkungen der Mutterschaft befreit, auf den Leim gegangen war?“ (S. 47) Exactly! Mit zunehmendem Groll auf den Ehemann, der Wut über die absurden gesellschaftlichen Anforderungen an Mütter und dem Gefühl, von den anderen scheinbar perfekten Mamis nie akzeptiert zu werden, stellt sie plötzlich erschreckende Veränderungen an ihrem Körper fest: ein Fellbüschel wächst im Nacken, sie gelüstet nach rohem Fleisch und da waren noch diese Fangzähne… Tatsächlich verwandelt sich die Erzählerin nachts in einen Hund – Nightb!tch ist geboren. Der Sohn ist hocherfreut über seine Mutter, die sich plötzlich auf ihre neuen Instinkte verlässt, und der Ehemann kann sein Glück kaum fassen ob der neuen animalischen Triebe seiner Gattin. Aber sie möchte noch mehr blutigen Genuss…
Ist genau diese Verwandlung die Wiege für eine neue künstlerische Schaffenskraft?
Dieses Buch funktioniert mit all seinen Metaphern auf so vielen Ebenen, es ist trotz seiner Absurdität und seines Witzes ein treffendes, kritisches Werk. Immer schön mit dem Finger in die Wunde, die all die patriarchalen Strukturen hinterlassen – einfach großartig. Ich wünsche mir eine Verfilmung, eine Miniserie, und zwar sofort 🧡 Große Empfehlung!
Original auf Instagram bei @buchselig erschienen:


