Angie Thomas – The Hate U Give

Wozu hat man eigentlich eine Stimme, wenn man in den entscheidenden Momenten schweigt?

Diese Frage quält Starr Carter sehr, nachdem sie miterlebt, wie ihr bester Freund Khalil von einem Polizisten erschossen wird – nur, weil er Schwarz ist. Denn als sich die Medien auf den Fall stürzen und Khalil als Dealer darstellen wollen, der Polizist vor Gericht Erfolg zu haben scheint und der gefährlichste Gangleader ihres Viertels auf sie aufmerksam wird, muss Starr sich entscheiden: Natürlich verdient Khalil Gerechtigkeit. Doch wie viel traut sie sich zu riskieren, um ihm diese zu verschaffen?

„The Hate U Give“ von Angie Thomas ist bereits 2018 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet worden und beschreibt die Konflikte und Verhältnisse in den Ghettovierteln US-amerikanischer Großstädte meiner Meinung nach besser als so manche Statistik. Keine Spur von Sortierung in Freund und Feind: die rassistischen Äußerungen von Starrs ehemaliger bester Freundin werden genauso beschrieben wie die Vorbehalte ihrer Eltern gegenüber Starrs weißem Freund. Auch unwahrscheinlichen Kitsch oder überzeichnetes Drama sucht man vergebens. Starrs Perspektive macht die extremen Kontraste nahbar und realistisch.

Empfehlen würde ich „The Hate U Give“ grundsätzlich allen, die den sozialen Teufelskreis des Rassismus in Amerika besser verstehen wollen oder einfach nur nach einem spannenden Jugendroman mit Bezug zur aktuellen politischen Situation suchen und dabei auch härtere Themen nicht scheuen.

Ihre Helena (Praktikantin)

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