Kristine Bilkau – Halbinsel (Gewinnerbuch der Leipziger Buchmesse)

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Vielleicht kennen Sie das Gefühl, dass manchmal im richtigen Moment die richtigen Bücher zu einem kommen, das ist schon fast magisch, wie perfekt das Match ist. 

So erging es mir bei der Lektüre von Kristine Bilkaus Buch „Halbinsel“. 

Die Protagonistin Annett, Ende 40, hat nach dem viel zu frühen Tod ihres Mannes die gemeinsame Tochter Linn allein aufgezogen und sie hat einen guten Job gemacht. Linn macht Abitur und zieht dann zum Studium in die Welt hinaus, später bekommt sie einen gut bezahlten Job bei einem Aufforstungsprojekt, hat eine schöne Wohnung in Berlin. Dann, plötzlich, mit Mitte 20, hat sie bei einem Vortrag in einem Hotel einen Zusammenbruch und die Mutter holt sie erstmal zur Genesung nach Hause aber Linn kommt nicht so richtig auf die Beine und aus Tagen werden Wochen und schließlich Monate; die Wohnung in Berlin gibt sie auf und zieht wieder bei der Mutter ein. Was Anfangs ganz harmonisch begann birgt immer mehr Konfliktstoff. 

Die Mutter ist genervt von Linns Antriebslosigkeit und dem plötzlichen Leerlauf in deren Leben, dabei ist es eigentlich das erste mal, dass Linn sich  wirklich eine Auszeit gönnt und nach Sinn in ihrem Leben und ihrer Arbeit fragt. Sie sichtet Dinge, die sie im Keller findet, die früher ihrem Vater gehörten und fragt sich, warum diese Gegenstände nie einen Platz in ihrem Haus hatten. 

Alte Wunden werden bei Annett aufgerissen, aber auch viel Nachdenklichkeit, immer wieder versucht sie reflektiert ihre Tochter zu verstehen und mit der Situation klarzukommen. Ablenkung findet sie in den neuen Nachbarn, eine junge Wohngemeinschaft, die erfrischend unkonventionell unterwegs sind und Annett ein bisschen mitreißen.

Am Ende ergibt sich für Beide ein guter Ausblick auf eine neue Zukunft, beruflich und privat.

Ich fand so schön, wie menschlich, lebensnah und unaufgeregt die Geschichte erzählt wird; eine gelungene Anleitung mal innezuhalten und mit Brüchen im Leben umgehen zu lernen, Vertrauen zu haben, dass am Ende schon irgendwie alles gut wird und nicht immer dem Drang nachzugeben mit blindem Aktionismus das Leben von anderen richten zu wollen.

Meiner Meinung nach hat dieses großartige Buch völlig zu Recht den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse erhalten.

Ihre Cornelia Schaller

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