Ocean Vuong wurde im Jahr 1988 geboren und ist ein vietnamesisch-US-amerikanischer Lyriker, Schriftsteller sowie Literaturwissenschaftler. Er floh als Kleinkind aus Vietnam und lebt seit er zwei Jahre alt ist in den USA, wo er zurzeit Professor für Kreatives Schreiben an der New York University ist.
Seine Lyrik erhielt mehrere Preise, unter anderem erhielt er 2016 den Whiting Award for Poetry und 2017 den T.S. Eliot Prize. In seinen beiden Gedichtbänden Nachthimmel mit Austrittswunden und Zeit ist eine Mutter verarbeitet er die gespaltene Identität eines Einwandererkindes und kontrastiert dabei Themen wie Gewalt, Schmerz, Andersartigkeit, aber auch Freude und Liebe.
Thematisch ähnlich, zeichnen sich seine Romane durch eine traditionell ostasiatische Erzählweise aus, in der oft keine klaren Handlungsbögen, Helden oder Bösewichte vorkommen.
Sein Debütroman Auf Erden sind wir kurz grandios ist eine Sammlung von Fragmenten einer von Gewalt geprägten Familiengeschichte. Das autobiografische Werk vereint Essay, Gedicht und Prosa und ist ein Versuch, sich der traumatisierten, prügelnden Mutter zu nähern. Es ist auch eine Suche nach der eigenen Identität und einer Neuinterpretation der amerikanischen Identität. Eindringlich und poetisch ist dieser Brief, den Vuongs Erzähler an die Mutter schreibt – eine Mutter, die Analphabetin ist, fast kein Englisch spricht und diesen Brief nie lesen wird.
Ocean Vuong schreibt mit traumhafter Klarheit von einem Leben, in dem Gewalt und Zartheit aufeinandertreffen.
Der Kaiser der Freude ist sein zweiter Roman und wenn nicht so autobiografisch wie sein Debüt, ist doch autofiktionell. Der Protagonist Hai – queer, pillenabhängig, suizidal und wegen eines Studienabbruchs verschuldet – hat viele Parallelen zu Vuong.
Es ist 2009 und Hai kehrt nach East Gladness in Connecticut zurück, in die Stadt seiner Mutter, die mit ihm aus Vietnam in die Vereinigten Staaten geflüchtet ist. Dort trifft er Grazina, eine Litauerin, und dement, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hat. Hai wird ihr Pfleger und arbeitet, um sie zu unterstützen, in einem Fast-Food-Restaurant. Auch sein autistischer Cousin Sony, benannt nach dem ersten Fernseher seines Vaters, arbeitet dort mit anderen „schönen kleinen Losern“, wilde, warme Charaktere, die nur durch den Mindestlohn verbunden sind.
Poetisch, humorvoll und eindringlich erzählt Vuong von Freundschaft und Zusammenhalt und den sozialen Rändern der Gesellschaft, die unter brutalen Auswirkungen des Neoliberalismus leiden.
Ihre Clara Trumpf




