Es ist wieder Juni, das heißt es ist auch wieder Pride!
Dieses Jahr möchten wir den Pride Month nutzen, um queere Autor*innen in den Mittelpunkt zu stellen. Einige davon bekannter, andere weniger bekannt, aber alle mit spannenden Büchern im Repertoire.
Becky Albertalli ist eine Jugendbuchautorin, die 1982 in Georgia in den USA geboren ist und ihr erstes Buch 2015 veröffentlicht hat. „Nur drei Worte“ (im Original „Simon vs. The Homo Sapiens Agenda“) wurde direkt ein Bestseller und gewann zwei Jahre später sogar den Deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury. 2018 wurde der Roman unter dem Namen „Love, Simon“ verfilmt – das Buch heißt mittlerweile auf Deutsch auch so.
Darin verliebt sich Simon in Blue, mit dem er jedoch nur per Mail Kontakt hat. Dort aber tauschen die beiden ihre intimsten Geheimnisse aus – bis eine der Mails in falsche Hände gerät.
Nach Love Simon schrieb sie fleißig im „Simon-verse“ weiter, 2017 veröffentlichte Sie den Roman „The Upside of Unrequited (den es leider nicht auf Deutsch gibt) über eine Cousine eines Love, Simon – Charakters und 2018 folgte dann „Ein Happy End ist erst der Anfang“ (engl. Originaltitel: Leah on the Offbeat), in der wir Simons bester Freundin Leah und ihrem Coming-Out als bisexuell folgen. In der Novelle Love, Creekwood von 2020 folgen wir Simon und Leah ans College.
2019 und 2022 schrieb sie gemeinsam mit Adam Silvera „Was ist mit uns?“ und die Fortsetzung „Auf das mit uns.“ Beide Bücher erzählen die Geschichte von Ben und Arthur, die sich in New York zufällig vor der Post treffen. Arthur ist sofort hin und weg, aber zu schüchtern, um Ben anzusprechen. Und so beginnt eine zauberhafte und herzzerreißende Liebesgeschichte…
Deutlich lustiger wird es in Kate in Waiting: Liebe ist (nicht) nur Theater. Kate und ihr bester Freund Anderson, beide Musical Liebhaber mit Leib und Seele verlieben sich – in den neuen Typen im Theater-Kurs. Da ist Chaos vorprogrammiert.
Auch Imogen gefällt es chaotisch – in Gestalt von Tessa. Eigentlich war Imogen immer die größte Ally ihrer queeren Freunde, allen voran ihrer besten Freundin Lili. Als sie diese an der Uni besucht, weiß nur niemand das Imogen nicht queer ist. Aber bei Tessa bekommt sie Bauchkribbeln… Was bedeutet das für Sie?
Wie man schnell sieht, sind fast alle ihre Bücher Coming of Age Geschichten, in denen die Protagonist*innen in der Regel queer sind. Oft ist der Fokus auf dem eigenen Coming-Out – sowohl zu sich selbst als auch zu Familie und Freund*innen.
Dabei spielt Beckys eigene Erfahrung mit ihrem Coming-out eine größere Rolle. Obwohl Love, Simon sowohl kommerziell erfolgreich als auch von der Kritik gelobt war, gab es einige Gegenstimmen. Becky ist mit einem Mann verheiratet, hat Kinder also war sie augenscheinlich hetero. Sie wurde dafür kritisiert von queeren Geschichten zu profitieren, ohne Teil der Community zu sein. Außerdem erntete ihr Charakter Simon Kritik dafür, ‚unrealistisch schwul‘ zu sein, zu brav, zu angepasst, zu sehr darauf bedacht ‚normal‘ genug für die breite Öffentlichkeit zu sein.
Beide Punkte halt ich für strittig. Während ich selbst queere Charaktere lieber mag, die rebellischer, wilder, lauter sind, ist es wichtig, dass Menschen in allen Facetten gezeigt werden, egal ob oder welcher Minderheit sie angehören. Außerdem sollten alle Autor*innen über diverse Charaktere schreiben – solange sie sich genug mit der Thematik auseinandersetzen. Mittlerweile werden dafür sogenannte Sensitivity Reader eingesetzt, damit die Darstellung respektvoll und differenziert ist und nicht nur Stereotypen und Vorurteile repliziert. Allerdings ist die Frustration der Kritiker*innen zu einem gewissen Grad nachvollziehbar. Werden queere Geschichten nur von großen Filmstudios verfilmt, wenn es um nette, normale, nicht-behinderte, weiße, schwule Männer geht?
Den Hass, den Becky Albertalli dafür abbekam war aber überzogen und grausam. Das ging so weit, dass sie sich unter diesem Druck 2020 als bisexuell geoutet hat. In ihrem Blogpost „I know I’m late“ erzählt sie davon in den 80er Jahren in dem sehr konservativen Süden der Vereinigten Staaten aufgewachsen zu sein und bis sie Leah on the Offbeat geschrieben hatte, gar nicht erkannt hat, dass sie nicht hetero ist.
Deswegen finde ich es besonders wertvoll, dass Becky ihren Protagonist*innen die Zeit gibt, die sie brauchen, um mit sich mit ihrer Identität auseinanderzusetzen – und damit ihren jungen Leser*innen zu zeigen, dass auch diese sich die Zeit lassen können, die sie benötigen.
Ihre Clara Trumpf







