Kennen Sie… Stephen Crane?

Vermutlich nicht, obwohl schon Bücher von ihm und über ihn bei uns im Taubenregal zu finden waren.

Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich. Zum einen war dem Schriftsteller nur ein kurzes, wenngleich auch sehr abenteuerliches Leben beschieden, zum anderen ist er schon über 120 Jahre tot. Und auch in seiner Heimat Amerika ist Crane, dessen wichtigstes Buch bis vor kurzem noch Pflichtlektüre in dortigen Schulen war, nahezu in der Versenkung verschwunden.

Dabei gilt der Autor, der 1871 als 14. Kind einer streng methodistischen Familie in New Jersey geboren wurde, als Wegbereiter der modernen amerikanischen Literatur.

Ob Sir Francis Drake tatsächlich einer seiner Ahnen war wie von ihm behauptet, mag dahingestellt bleiben. Aber rebellisch und gegen Konventionen auflehnend zeigte er sich schon früh. Einen exzessiven Lebensstil pflegend, ständig pleite und immer am Limit beschrieb er schonungslos Missstände in der amerikanischen Gesellschaft wie Armut, Gewalt und Trunksucht. Er lebte unter Bettlern und Kriegsveteranen auf der Straße, legte sich mit der Polizei an und nahm die Künstlerszene nicht ohne Ironie unter die Lupe. Musste sein Debut „Maggie, a girl of the street“ wegen des gesellschaftskritischen Themas noch auf eigene Kosten und unter Pseudonym veröffentlicht werden, wurde „Die rote Tapferkeitsmedaille“ nur zwei Jahre später als Meisterwerk gefeiert. Die Geschichte des Jungen Henry Fielding, der in den Bürgerkrieg zieht, gilt bis heute als Vorreiter von Antikriegsromanen wie „Im Westen nichts Neues“. Reportagen über den Kampf der Griechen gegen die Türken sowie den amerikanisch-kubanischen Konflikt festigten seinen Ruf, einer der besten Kriegsberichterstatter seiner Zeit zu sein. H. G. Wells, Joseph Conrad und Henry James zählten zu Cranes Bewunderern.

In diesen Tagen nun hat der bekannte US-Romancier Paul Auster eine geradezu ausufernde Biographie über den schillernden Künstler veröffentlicht. „In Flammen“ lautet der Titel des bei Rowohlt erschienen Buches, in dem sich Auster auf 1.200 Seiten ausführlich Leben und Werk des früh verstorbenen Autors widmet.

Wer die üppige Lektüre scheut, kann Stephen Crane aber auch direkt kennenlernen. Bereits 2020 hat der Pendragon Verlag „Die rote Tapferkeitsmedaille“ neu herausgebracht. „Die tristen Tage von Coney Island“ und „Die Geschichten eines New Yorker Künstlers“ enthalten Cranes wichtigsten Stories, in denen er oft selbst Erlebtes verarbeitet.

Im Mare Verlag sind unter dem Titel „Das offene Boot und andere Erzählungen“ ebenfalls Geschichten von Stephen Crane erschienen.

Seine letzten Tage verbrachte der 28jährige übrigens in einem Sanatorium in Badenweiler, wo er im Juni 1900 an den Folgen einer Tuberkulose starb. Vor dem Haus erinnert heute eine Gedenktafel an den Dichter. Und in Zusammenarbeit mit der Freiburger Universität vergibt die Gemeinde Badenweiler alle zwei Jahre den Stephen-Crane-Forschungspreis für nordamerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften.

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