Leipziger Buchmesse: Gastland Portugal

Abgesagt ist sie – die Leipziger Buchmesse. Nun schon zum dritten Mal in Folge.

Riesengroß ist die Enttäuschung bei Verlagen, Autoren und Buchliebhabern, die bis zum Schluss gehofft und gebangt hatten. Das Nachsehen hat aber auch das Gastland Portugal, das nach der Absage im vergangenen Jahr nun ein zweites Mal auf die große Bühne verzichten muss, um seine literarische Vielfalt zu präsentieren. Zwar wird es einzelne Lesungen und Aktionen in Leipzig geben, jedoch nur vor kleinem Publikum.

Deshalb wollen wir Ihnen hier an dieser Stelle zumindest einen kleinen Einblick in das Schaffen portugiesisch-sprachiger Autoren geben und Sie zu einer Reise quer durch das schmale Land auf der iberischen Halbinsel und weit darüber hinaus einladen.

Denn hätten Sie es gewusst – für rund 250 Millionen Menschen ist portugiesisch die Muttersprache. Und zwar auch in Brasilien, Mosambik, Angola, auf den Kapverden und in Äquatorialguinea sowie in Macau, Osttimor und Guinea-Bissau.

Viele der nachfolgenden Tipps stammen übrigens von ausgewiesenen Landeskennern wie Petra Noack aus der portugiesischen Buchhandlung TFM in Frankfurt, Manfred Keiper von der Anderen Buchhandlung in Rostock und dem mehrfach ausgezeichneten Übersetzer Michael Kegler.

Los geht es mit Reisebüchern. Und mit einem der portugiesischen Schriftsteller schlechthin: José Saramago. Der Literaturnobelpreisträger ist in den 90er Jahren kreuz und quer im Land auf kulturelle und literarische Spurensuche gegangen – seine Eindrücke sind nachzulesen in „Die portugiesische Reise“. Vermutlich ein unterhaltsamerer Einstieg in das Werk des Autors als der, den ich vor einigen Jahren mit „Die Stadt der Sehenden“ gewählt habe – fabelhafte Lektüre, aber nicht ganz einfach zu lesen.

Immer entlang der Küste unterwegs war der Journalist und Kriegsberichterstatter Paolo Moura. Seine Gespräche mit Hafenarbeitern, Fischern und Künstlern hat er im Buch „Ferner Westen“ versammelt, das im März erscheint. Gleich 20 Reiseerzählungen über chinesische Schneider in Macau, Friedhöfe in Prag und geheimnisvolle Begegnungen auf Flughäfen findet der Leser in dem zweisprachigen Band des aus Angola stammenden Autors Ondjaki: „Blaue Träume in jedem Winkel“.

Wer sich allein mit der Hauptstadt begnügen möchte, für den spricht der Wagenbach Verlag eine literarische Einladung nach „Lissabon“ aus. Und in der Edition A. B. Fischer können wir „Das Lissabon des Fernando Pessoas“ kennenlernen.

Womit wir auch schon beim zweiten großen Nationaldichter Portugals sind. Der neu gegründete Kupido-Verlag präsentiert als deutsche Erstübersetzung den Briefwechsel zwischen dem Poeten Mário de Sá-Carneiro und Fernando Pessoa („Geliebter Fernando Pessoa“), das Bekenntnis einer intimen Dichterfreundschaft. Die beiden Erzählungen „In Evaristos Apotheke / Der Bankier als Anarchist“ belegen, welche Schlüsselposition Pessoa in der Entwicklung der portugiesischen Literatur einnimmt.

Portugals Kolonialvergangenheit in Mosambik steht im Mittelpunkt des Imani-Zyklus „Asche und Sand“ des mosambikanischen Schriftstellers und Biologen Mia Couto. Mit magnetischer Kraft beschreibt der Autor darin die Konfrontation zweier Weltbilder.

Schonungslos und direkt sind die autobiographischen Bände von Isabela Figueirodo, in denen sie von ihrer Kindheit in Mosambik und ihrem neuen Leben in Portugal berichtet. („Roter Staub“; „Die Dicke“)

Vom Freiheitskrieg in Angola erzählt Yara Nakahanda Monteiro in ihrem Debut „Schwerkraft der Tränen“, das ebenfalls im März erscheint, während Almado Almeira in dem Roman „Der treue Verstorbene“ einen satirischen Blick auf seine Heimat, die Kapverdischen Inseln, wirft.

Auch für junge und junggebliebene Leser haben portugiesische Illustratoren und Autoren so Einiges zu bieten. Mit eleganter Leichtigkeit und Farbenpracht kommen „Die Stadt der Tiere“ von Joan Negrescolor und „Der Streik der Tiere“ von Eduarda Lima daher – Bücher, die zum Träumen, aber auch zum Nachdenken anregen.

Neben diesen vielen Tipps darf natürlich auch ein Blick in den Kochtopf nicht fehlen. Die besten Rezepte vom Atlantik bis zum Alentejo verspricht das Nachschlagewerk „Portugal“ aus dem Christian Verlag. Und beim Blättern in „Die Portugiesische Küche“ aus dem Hause Antje Kunstmann, da sind sich alle Kritiker einig, dürfte Ihnen das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Na, Appetit bekommen? Wir freuen uns, wenn wir Sie ein klein wenig neugierig machen konnten.

Bis bald!

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